Die Römer bei uns

Die römische Bepflanzungsmacht

Pflanzen mit Migrationshintergrund

Die Römer, die in Germanien oder in anderen Provinzen des römischen Reichs oft lange Jahre stationiert waren, wollten auf ihre gewohnte Ernährung nicht verzichten.

So gelangte durch Handel, gezielten Anbau und durch reinen Zufall eine große Zahl bis daher unbekannter Pflanzen und vor allem Gewürzen zu uns.

 

Antike Quellen und moderne Naturwissenschaft

Woher stammt unser Wissen?

Die Herkunft einer Planze kann durch einen genetische Analyse bestimmt werden. Auch die antike Literatur und Werke der bildenden Kunst, zum Beispiel Reliefs oder Vasenbilder, geben Auskunft über die Ursprünge von Pflanzen. Die Archäobotanik ist eine Wissenschaft, die sich mit der Erforschung von Pflanzen im Altertum beschäftigt.

 

Was im Gepäck der Römer zu uns kam

Anis

(pimpinella anisum)
Anis ist ursprünglich in Asien und im südöstlichen Mittelmeergebiet beheimatet. Es ist eine Gewürz- und Heilplanze, mit der auch Gebäck gewürzt wurde. Vergil berichtete von Aniskeksen. Im Kollosseum wurde Anissamen zwischen den Sitzreihen entdeckt.

Aprikose

(prunus armeniaca)
Der botanische Name der Aprikose weist auf das vermutete Herkunftsgebiet Armenien im Osten

Beifuß
Beifuß, Gemeiner (Fliegenkraut)

(artemisia vulgaris)
Eine Gewürz- und Heilpflanze bei Verdauungsproblemen. Plinius d.Ä. meinte, ein Stöckchen Beifuß ums Bein gebunden, würde die Müdigkeit vertreiben.

Dill (Gurkenkraut)

(anethum graveolens)
Dilll wird als Gewürz in Soßen und zur Konservierung von Gemüse z.B. Gurken verwendet. Wichtigster Bestandteil ist sein ätherisches Öl, das appetitanregend, verdauungsfördernd und beruhigend wirkt. Dill war im Mittelmeergebiet und in Vorderasien heimisch.

Fenchel

(foeniculum vulgare)
Schon die Griechen bauten großflächig Fenchel an. Im Griechischen heisst er Marathon - die Schlachtebene wurde nach den Fenchelfeldern dort benannt. Vom Fenchel verarbeiteten die Römer Blätter, Stengel und Samen. Fenchel spielte auch im Dionysos-Kult eine Rolle.

Gerste

(hordeum spontanum)
Die Römer hielten die Gerste für die älteste Getreidesorte. Plinius berichtet im 1.Jahrhundert "früher" habe man davon Brot gebacken, "heute" diene es nur noch als Viehfutter

Gurke

(cucumis sativus)
Die Gurke stammt ursprünglich aus Indien. Von dort verbreitete sie sich im Mittelmeeraum: 600 v. Chr. im Irak, 200 v. Chr. im Mittelmeerraum.

Iris oder Schwertlilie

(iris germanica)
Die Römer brachten diese schöne Blume mit nach Mitteleuropa. Im Mittelalter wurde sie als Zauberpflanze auf Burgfelsen gepflanzt.

Echte Kamille
Kamille, Echte

(matricaria cammomilla)
Unbeabsichtigt kamen diese verbreiteten Feldblumen mit dem Saatgut für Getreide in unsere Gegend.

Koriander
Koriander (arabische Petersilie, Wanzendill)

(coriandrum sativum)

Knoblauch

(allium sativum)
Ursprüglich in Asien heimisch, wurde der Knoblauch zunächst in Ägypten angebaut. Durch den Austausch mit Ägypten und den Römern kam der Knoblauch dann auch in unsere Breiten. In Rom galt der Knoblauch als bedeutende Speise der ärmeren Bevölkerung.

Echter Kümmel
Kümmel, Echter

(carum carvi)
Die Früchte des Doldengewächses werden seit der Antike als Speisewürze verwendet.

Lauch

(allium ampeloprasum)
Der Lauch kam aus dem Mittelmeerraum zu uns. In Köln fanden Archäobotaniker ein Pollenkorn.

Liebstöckel

(levisticum officinale)

Majoran (Gartendost)

(origanum vulgare)

Mandelbaum
Mandelbaum

(prunus dulcis)
Der Mandelbaum ist eigentlich im Süden und im Südwestasien heimisch. In Mitteleuropa findet man ihn häufig in Weinanbaugebieten. Vermutlich brachten die Römer ihn gemeinsam mit den Reben zu uns.

Marone (Esskastanie)

(castanea sativa)
die Römer brachten die schmackhafte Esskastanie zu uns. Karl der Große nennt sie dann im 8. Jh. in seinen Capitulare de villis.

Muskatalbei (römischer Salbei)

(salvia sclarea)

Pastinak

(pastinaca sativa)

Petersilie
Petersilie

(petroselinum hortense)
Das Heil- und Gewürzkraut wächst im Mittelmeerraum. Die Römer brachten es mit zu uns. In der antiken Küche wurde Petersilie nur zurückhaltend verwendet.

Pfirsich

(prunus persicum)
Der Pfirsich stammt ursprünglich aus China. Dort kannte man ihn schon um 2000 v. Chr. Über die Seidenstraße gelangte er nach Persien und von dort nach Griechenland. Die Griechen brachten ihn nach Rom mit, die Römer verbreiteten ihn in ihrem gesamten Reich.

Ringelblume

(calendula officinalis)
Diese bedeutende Arzneipflanze brachten die Römer aus dem Mittelmeerraum mit.

Roggen

(secale cereale)
Roggen schätzen die Römer nicht sehr, sie mischten ihn mit Emmer, um ihn schmackhafter zu machen.

Rose

(roas alba)
Ursprünglich aus Kleinasien.

Rosmarin
Rosmarin

(rosmarinus officinalis)
Aus dem Libanon. Im Mittelmeerraum wächst Rosmarin wild. Die Römer wollten auch in Germanien nicht auf ihn verzichten und brachten ihn mit. Der hier angebaute Rosmarin ist jedoch nicht so würzig.

Safran
Safran

(crocus sativus)
Safran wird aus den Stempeln der Krokusblüten gewonnen. Die Ernte per Hand ist sehr aufwändig daher ist und war Safran teuer und selten. Safran stammt aus dem Nahen Osten und Indien. Verwendet wurde Safran als Gewürz und Färbemittel, für Kosmetika und Medizin.

Salbei
Salbei

(salvia officinalis)

Sauerkirschen

(prunus cerasus)
Wilde Kirschen wurden bei uns zwar schon in der Steinzeit gegessen, aber die ersten Zuchtkirschen brachte der Römer Lucullus aus dem Nahen Osten nach Rom. Der Feinschmecker und Feldherr Lucullus brachte im Jahre 69 v. Ch. die Süßkirsche der Skyten aus Kerasos am Pontos, dem heutigen Armenien, nach Italien. Er stellte 74 v. Chr. ein Kirschbäumchen als seiner Ansicht nach kostbarste Kriegsbeute aus dem pontischen Kerasos ins Zentrum seines Triumphbogens.

Schnittlauch
Schnittlauch

(allium schoenoprasum)

Schwarzdorn
Schwarzdorn (Schlehe)

(prunus spinosa)

Senf
Senf, weißer und schwarzer

(sinapis alba, brassica nigra)

Sellerie

(apium graveolens)
Bei den Römern war der Sellerie dem Gott der Unterwelt geweiht. Er wurde auf Grabhügel gepflanzt und Grabmäler mit seinen Blättern geschmückt. Vom Sellerie wurden in der Antike nur die Blätter und die Stängel gegessen, die Knolle wurde erst seit der Renaissance verzehrt!

Spargel

(asparagus officinalis)
Spargel wurde in der Antiken gerne zu Fisch gereicht. Die Römer brachten ihn mit nach Germanien, wo er in mildem Klima z.B am Rhein angebaut wurde. Die Römer verbrauchten so viel Spargel, dass er aus Obergermanien importiert wurde.

Walnuss

(juglans regia)
Die erste Erwähnung der Walnuss findet sich bei Plinius d. Älteren. Er berichtet, dass die Griechen den Baum ab dem 7 Jahrhundert v. Chr. nach Europa einführten. Die Römer schätzten das Baumholz und die Früchte. 2008 war die Walnuss Baum des Jahres.

Gemeine Wegwarte
Wegwarte, Gemeine

(cichorium intybus)

Weinrebe

(vitis vinifera)
Wilden Wein gab es zwar auch in unserer Gegend, aber erst die Römer brachten den Weinbau nach Germanien.

Zitronenmelisse

(melissa officinalis)

Zwetschge (Hauspflaume)

(prunus domestica)

 

Blinde Passagiere

Kamille
Kornblumen, Klatschmohn und Kamille

Unbeabsichtigt kamen diese verbreiteten Feldblumen mit dem Saatgut für Getreide in unsere Gegend. Schlafmohn (papaver somniferum) gibt es in unserer Gegend schon seit dem Neolithikum

 

Heimische Pflanzen

Als heimische Kulturpflanzen sind Rispenhirse, Linse, Pferdebohne und Lein nachgewiesen. Die Früchte wild wachsender Pflanzen wie Apfel, Schlehe, Weißdorn, Brombeere, Himbeere, Holunder, Hagebutte sowie Haselnuss wurden gesammelt und verzehrt.

Ackerbohnen

(faba var. minor)
Bohnen wurden schon vor den Römern in Germanien angebaut. Im Rheinland stammen die frühesten Belege aus der Bronzezeit. Nach Plinius die wichtigste Hülsenfrucht. Die Römer konnten sich also aus einheimischer Produktion versorgen. Hoher Eiweißgehalt. zum Beispiel als puls fabata, Bohnenbrei. In zahlreichen römischen Siedlungen im Norden des römische Reiches fanden Archäobotaniker Reste der kleinfrüchtigen Ackerbohne. Die sog. Dicken Bohnen entwickeln sich vermutlich erst im Mittelalter. Im Capitulare de villis sind sie erwähnt. (fabae majores).

Emmer
Einkorn und Emmer

(triticum dicoccum)
Emmer gehörte mit Einkorn, Dinkel und Gerste zu den wichtigsten Getreidearten.

Erbse

(pisum sativum)
Die Erbse gibt es schon seit der frühesten Ackerbauzeit in Germanien! Sie war neben Linsen und Getreide das Grundnahrungsmittel und wichtiger Eiweißlieferant seit dem 6 Jt. v. Chr. Als die Römer in die Gegend kamen, konnten sie auch bei den Erbsen auf einheimische Produktion zurückgreifen. In der Antike wurden die Erbsen nur in getrocknete Zustand verwendet. Apicius widmete in seinem Kochbuch den Erbsen ein eigenes Kapitel (liber V, 3)

Büste von M. Tullius Cicero, Rom
Linse

(lens culinaris)
Hülsenfrüchte waren in der römischen Küche unverzichtbar. Ihren hohen Stellenwert erkennt man daran, dass einige römische Familien ihre Namen von Hülsenfrüchten abgeleitet haben . zum Beispiel die Fabier (fava= Bohne), Piso (pisum= Erbse) Lentulus (Linse) und Cicero (cicer = Kichererbse). Wie die Erbse gehörte die Linse zu den germanischen Kulturpflanzen. Hier scheinen die Römer aber eine zweite Art eingeführt zu haben, denn bei Pflanzenfunden des Kastells von Neuss konnten zwei unterschiedliche Sorten unterschieden werden.

Flachs/Lein

(linum usitatissimum)
ist eine der ältesten Kulturpflanzen in unserer Gegend. Aus der Pflanze wurde Öl und Gewürze, aus den Flachsfasern für Textilien und die Seilerei erzeugt.

 

Was weder die Römer noch die Germanen kannten

Pietro Andrea Mattioli (1500-1577)
Tomaten

Friedrich der Große besucht die Kartoffelernte Gemälde von Robert Warthmüller, 1886
Kartoffeln

 

Bildnachweis

Die meisten Fotos der römischen Pflanzen stammen aus dem Schaugarten der Villa Rustica Peiting im Landkreis Weilheim-Schongau.