Limesrundgang online

Grüninger Warte

Wachturm, Windmühle, Hoinkdippe

Von der ehemaligen Windmühle hat man aus über 270 m Höhe einen guten Rundblick über den Limesverlauf auf Pohlheimer Gebiet.

Bei klarer Sicht sieht man von hier aus den Taunus, Gießen und das Lahntal, die Wetterau und den Vogelsberg. Die Warte selber gehört nicht zu der römischen Grenzanlage, sondern diente früher als Mühle.

 

Die Geschichte der Warte

Der steinerne Stumpf der Windmühle
Im 18. Jahrhundert eine Windmühle

Was wir heute sehen, ist der Unterbau einer Windmühle. 1713 errichtet, war sie nur bis 1794 in Betrieb. Die Mühle wurde unter der Regentschaft von Graf Wilhelm Moritz zu Solms-Braunfels errichtet. Der Graf interessierte sich sehr für technische Neuerungen und besuchte die Mühle in den Jahren 1713 und 1714 häufig um sich über die Bauarbeiten und über den Betrieb zu informieren. Was an dieser Mühle so besonders war, erfahren Sie weiter unten!

Die Lage der Warte
Im Mittelalter: eine Warte

An gleicher Stelle stand im Mittelalter vermutlich eine Warte, also ein Turm als Teil einer Grenzbefestigung. Dafür sprechen die Bezeichnung des Hügels "auf der Warth" und die strategisch günstige Lage. In Urkunden aus den Jahren 1445 und 1476 wird eine solche Warte an der Solmsschen Landesgrenze erwähnt.

Das Großherzogtum Hessen restaurierte

Bereits Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde der Mühlenstumpf von der Denkmalpflege des Großherzogtums Hessen restauriert. Damals war noch der hölzerne Kranz erhalten, der einst die Kappe der Windmühle getragen hatte.

Die Warte als Aussichtsturm
Heute ein Ausflugsziel: die Hoinkdippe

Bei einer weiteren Restaurierung 1963 wurde der Mühlenrest zu einem Aussichtspunkt umgebaut.
Seit 2009 trägt die Grüninger Warte den Titel "Schutzwürdiges Kulturgut" der Haager Konvention. Die Plakette und Urkunde wurde 2013 übergeben. Im Volksmund wird die Warte liebevoll Hoinkdippe genannt: Mustopf.

 

Ein Zeugnis technischen Fortschritts

Eine "holländische" Kappenwindmühle

Anders als bei früheren Mühlen in der Grafschaft Solms-Braunfels wurde hier zum ersten Mal der damals moderne Typus der Kappenwindmühle gewählt.
Dieser Mühlentyp hat eine drehbare Dachhaube, im Unterschied zu dem älteren Typus der hölzernen Bockenwindmühle, bei der sich das gesamte Mühlengebäude dreht. Kappenwindmühlen konnte man viel größer bauen, als die schwerfälligen Bockenwindmühlen.

Die Warte als Kappenmühle

Diese Mühlenart wurde in Holland entwickelt und war daher auch unter dem Namen "holländische Mühle" bekannt. Der Auftraggeber Graf Solms-Braunfels war sehr an technischen und industriellen Neuerungen interessiert und förderte zahlreiche wirtschaftliche Verbesserungen dieser Art.
Die Collage zeigt, wie die Mühle als Kappenwindmühle mit Windrose ausgesehen hätte.

"Etwas abzustelen gedenken"

Offenbar hatte der Graf große Angst vor einer frühen Form der Industriespionage, hatte er doch extra Handwerker an den Niederrhein geschickt, um den neuen Mühlentypus zu studieren.

In einer Verordnung lies er im Jahr 1715 verkünden, dass der Windmüller keine "Männer, Zimmerleute, Mühlärtzte, Schmidte, Schlosser, noch andere dergleichen Handwerksleuthe" in die Mühle lassen dürfe, damit diese nicht "an Unserer Windmühle" ... "(zu deren Erfindung Wir viele reissen undt sonst andere grosse Unkosten angewandt, umb dergleichen Mühlwerker zu sehen, und das rechte maass aus fernen Landen herzuholen) umb eben dergleichen Mühle aufzubauen, etwas abzustehlen gedenken. — ".

Zahlreiche Reparaturen

Die Mühle wurde bereits nach 80 Jahren aufgegeben, sie war entweder konstruktionsbedingt zu reparaturanfällig, oder die Windlage auf dem Wartberg war doch nicht so gut.

Schnitt durch die Windmühle
Aufbau einer Kappenwindmühle

Gute und verlässliche Handwerker für die zahlreichen Mühlenreparaturen waren offenbar nur schwer zu finden. Aus dem Schreiben eines Amtsverwalters 22. Oktober 1713: "Meister Pein, der Mühlarzt, undt der Schmid sein zwey versoffene liderliche mäner, welche in allem schädlich seyn. Diese Nacht sindt die Eyssen am Wellbaum entzwey gangen, undt steht nun wider still, ich bin so ungedultig, dass man der zwey Saufbrüder halben die Mühle bei so gutem windt muss stehen lassen, ich mag sagen wass ich will, so achten sie alles nichts, die leuth fahren wider nach anderen mühl, nur um der geringen sach so noch einzurichten war."
Es war höufig nicht möglich notwendige Reparaturen vor Ort machen zu lassen, das Mühleneisen zum Beispiel musste zur Reparatur extra in die gräflichen Hüttenwerke bei Braunfels gebracht werden.

Das Ende der Mühle

Als 1791 schließlich die kaiserliche Kommission die hessische Regierung darauf aufmerksam machte, dass die Reparaturkosten die Einnahmen durch die Pacht weit überstiegen, die Mühle baufällig sei und ein Neubau sich nicht lohnen würde, beschloss man 1794 die Mühle aufzugeben und das daneben erbaute Haus des Müllers zum Abbruch zu versteigern.

 

Mahlen war Herrenrecht

Beeydigte Müllern

Nur der Landesherr hatte das Recht Mühlen zu bauen und an einen Müller zu verpachten. Jedem Müller wurde vertraglich ein Einzugsgebiet zugewiesen, der Graf spricht von "beeydigte Müllern". Der Müller behielt 1/16 des Mahlguts für sich und die Bauern lebten in ständiger Angst, von ihm betrogen zu werden. "Müller und Bäcker stehlen nicht, man bringt´s ihnen" - so lautet ein altes deutsches Sprichwort.
Strenge Regeln galten in der Mühle: Fremde durfte sie nicht betreten, es durfte nicht geraucht oder im Inneren Pfeifen ausgeklopft werden. Die Mühlewerke durften nicht von Unbefugten bewegt werden, um sie nicht zu beschädigen.

Graf Wilhelm Moritz zu Solms-Braunfels
Europeana, Österr. NationalBibl.
Graf Wilhelm Moritz zu Solms-Braunfels (1651-1724)

Der Graf förderte die Industrie und Technik seiner Grafschaft um den Wohlstand zu heben. Aus diesem Grund, so schrieb er 1715, "massen wir diessen sehr kostbahr undt schwehren Mühlbau allein zu unserer Unterthanen Bestem "

 

So kommen Sie hin

Wegbeschreibung

Am Ortsrand von Grüningen in Richtung Watzenborn führt eine kleine ausgeschilderte Asphaltstraße zur Warte hinauf. Hier gelangen Sie auch gut mit dem Fahrrad oder zu Fuß mit und ohne Kinderwagen hinauf. Eine Parkmöglichkeit gibt es an der Warte.

Öffnungszeiten

Es gibt keine festen Öffnungszeiten, in der Regel ist der Turm geöffnet.

Tipp für Mühlenfreunde
Kappenwindmühle im Hessenpark
Tipp für Mühlenfreunde

Im Hessenpark in Neu Anspach können Sie sowohl eine Kappen- als auch eine Bockwindmühle am Deutschen Mühlentag in Aktion erleben. Der Mühlentag findet meistens am Pfingstmontag statt.