Limesrundgang online

Der "Barbarenstein"

Ein Zeugnis der Geschichtsbegeisterung

1912 stellte der Gießener Professor der Psychiatrie Dr. Robert Sommer an der Grenze des von ihm gekauften Grundstücks am Limes diesen Gedenkstein auf.

Gestaltet wurde er in Anlehnung an Grabsteine römischer Soldaten aus augusteischer Zeit. Die Bevölkerung nannte den Gedenkstein wegen eines Teils der von Sommer eigentlich ironisch gemeinten Inschrift bald "Barbarenstein".

Zur Zeit ist der Barbarenstein leider nicht zu sehen - das Kulturdenkmal wurde das Opfer modernen Barbarentums

 

Die Geschichte des Barbarensteins

Der Grenzstein 1912
Foto: Universitätsarchiv Gießen,
Nachlass Robert Sommer, Bd. 42, Bl. 15
Der Grenzstein 1912

So sah der Grenzstein 1912 aus. Zwei Jahre zuvor hatte das Ehepaar Sommer das Gelände rund um den Wachturm angekauft.
In seinem "Wanderbuch" beschrieb Sommer die feierliche Einweihung: Wanderfreunde, Watzenbörner Bürger, der Bürgermeister und einige Kommunalpolitiker aus Grüningen hätten sie bei der feierlichen Steinlegung begleitet, so Sommer, es hätte Kaffee und Kuchen gegeben, und ein Fass Bier wäre mit dem Wagen aus der Watzenbörner Gaststätte Wilhelmshöhe auf das Grundstück gebracht worden.
Die große Anteilnahme der Bevölkerung auf diese Aktion animierte Sommer später dazu, die Heimatkanzel bauen zu lassen.

Die Einweihung des Grenzsteins
Foto: Universitätsarchiv Gießen,
Nachlass Robert Sommer, Bd. 42, Bl. 15
Ein gesellschaftliches Ereignis

Dieses historische Foto zeigt die Einweihung des Grenzsteins am 14. Juli 1912. Vorne links sitzt im hellen Anzug Robert Sommer, rechts neben dem Stein steht Emmy Sommer.

 

Was bedeutet die Inschrift?

Die Südseite des Gedenksteins
Südseite:

MEMO
RIAE
ROMA
NORVM
BARBARVS
ANNO MDCCCCXII

Der Erinnerung an die Römer, ein Barbar. Im Jahr 1912

Die östliche Schmalseite des Gedenksteins
Östliche Schmalseite:

ROBERTVS
SOMMER
CVM UXORE

Robert Sommer mit Ehefrau

Die Nordseite des Gedenksteins
Nordseite:

LIMES
IMPE
RII
ROMANI

Grenze des Römischen Reichs

Die westliche Schmalseite des Gedenksteins
Fotos: S.Brenne
Westliche Schmalseite

CIVIS GISENSIS

Ein Bürger von Gießen

 

Die Heimatvereinigung Schiffenberg

Die 800. Wiederkehr der Weihe der Schiffenbergbasilika am 17. Juni 1929 war der Anlass für die Gründung der Heimatvereinigung Schiffenberg.
Ein Ziel dieses Vereins war die Erhaltung des Kloster Schiffenbergs als historisches Denkmal und des Schiffenberger Waldes als Naherholungsgebiet.
Robert Sommer war eines der ersten Mitglieder der Heimatvereinigung. Er liebte den Schiffenberg und hatte in Petersweiher unterhalb vom Schiffenberg ein Gartenhäuschen, das häufiges Ziel geselliger Wanderungen war. Ein weiteres Wanderziel war der Limes am Obersteinberg, der zu Sommers Zeiten noch sehr gut im Gelände erhalten war.
Am 10. September schenkte Sommer sein Stück vom Limes zusammen mit dem Gedenkstein der Gemeinde Watzenborn und der Heimatvereinigung, verbunden mit der Verpflichtung das Gelände zu erhalten.

Gedenktafel Barbarenstein

2012 ließ die Heimatvereinigung Schiffenberg diese Gedenktafel zum Andenken an die Aktivitäten Robert Sommers anbringen.
Roberto Sommer
viro doctissimo ac scientiam professo qui C annis ante
"lapidem barbari" ad limitem Pohlheimensem erexit
Sodalitas patriae colendae Schiffenbergia
hunc titulum faciendum curavit
pridie Idus Iulias A.D. MMXII
100 Jahre "Barbarenstein" am Limes in Pohlheim
In dankbarer Erinnerung an Professor Dr. Robert Sommer
Die Heimatvereinigung Schiffenberg e.V.

14.07.2012

 

Ein Mann mit Ideen: Robert Sommer (1864-1937)

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Robert Sommer, 1864 in Oberschlesien geboren, war fast vierzig Jahre, von 1896 bis 1934 Professor für Psychiatrie an der Ludwigs-Universität Gießen, wo er im Alter von 73 Jahren verstarb.
Sommer war ein vielseitig interessierter Mensch. Er setzte sich beispielsweise für eine Verschönerung des Gießener Bahnhofsplatzes ein, für eine Verbesserung der Gießener Eisenbahnverhältnisse, für das Liebigmuseum und die Nutzung der Lahn nach dem Vorbild der englischen Universitätsstädte. Außerdem besaß er das Patent für Schuhe, mit denen man über die Lahn laufen konnte. Sie funktionierten - auch wenn er bei ihrer Erprobung fast ertrunken wäre.

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