Unterwegs am Pohlheimer Limes

Wüstungen in Pohlheim

Vergangen, aber nicht vergessen

Außer den heutigen sechs Stadtteilen Pohlheims existierten in der Vergangenheit weitere Siedlungen, die im Verlauf des Mittelalters verschwunden sind.

Solche verschwundenen Siedlungen und Dörfer werden Wüstungen genannt. Die Bewohner zogen fort, die Felder wurden aufgegeben und die Gebäude verfielen. Die Ortsnamen bleiben jedoch in Erinnerung: oft tragen Felder und Wiesen noch die Namen der einstigen Siedlungen.

 

Wüst? Verwüstet? Was sind Wüstungen?

Wie kann es dazu kommen?

Gründe für das sog. "wüst fallen" einer Siedlung konnte es viele geben: die Zahl der Einwohner konnte durch Krankheit oder Seuchen zurückgehen. Politische Umstände oder Kriege konnten die Einwohner vertreiben oder Missernten sie zu einem Umzug zwingen.

Grüningen

Die Orte Birnkheim und Bergheim, beide südlich von Grüningen, wurden jedoch aus einem ganz anderen Grund aufgegeben: die Bewohner zogen nach Grüningen, das gerade Stadtrechte erhalten hatte. Stadtluft macht frei - die Bewohner konnten der Lehnsherrschaft entgehen und im Schatten der Wasserburg in Grüningen sicher leben.

Woher weiss man heute noch etwas über die Wüstungen?

In Verwaltungs- oder Kirchenakten findet man die alten Ortsnamen, wenn es zum Beispiel darum ging, festzuschreiben, wer das Recht hatte von den Höfen den Zehnten einzufordern, wieviel Lohn der Pfarrer der Ortspfarrei erhielt oder wer das Recht hatte auf dem Friedhof des Ortes bestattet zu werden.
Auch in alten Flurnamen und Ortsnamen bleiben die alten Siedlungsnamen häufig lebendig.

 

Wüstungen in Pohlheim

Beringheim/Birnkheim (799 - 1477)
Bergheim (750 - 1285)
Cotthen (1141 - 1315)
Erlebach (1141 - 1328)
Fahlheim (793 - 1471)
Fronbach (1141 - 1567)
Heuchelheim b. Holzheim (1328 - 1350)
Konradsrode (1129 - 1479)
Ober-Steinberg (? 1307 - vor 1502)

Bergheim
Bergheim (750 - 1285)

Von der Wüstung Bergheim haben sich der Flurname "Am Bergheimer Brunnen" und eben dieser Brunnen erhalten.

Bergheimer Brunnen

Drei Stufen führen zu der Quelle, die in eine geräumige Brunnenkammer aus Basaltbruchsteinen gefasst wurde. Dieser Brunnen war die Wasserversorgung des Dorfes Bergheim, das um 750 und 800 n. Chr. von fränkischen Siedlern begründet worden war.

Beringheim/Birnkheim
Beringheim/Birnkheim (799 - 1477)

Von dem Ort Beringheim oder Birnkheim südwestlich von Grüningen haben sich Mauerreste von der ehemaligen Kirche und ein Steinkreuz erhalten.

Cotthen
Cotthen (1141 - 1315)

Cotthen lag östlich von Garbenteich. Der Flurname Kättergrund erinnert an den Ort.

Erlebach
Erlebach (1141 - 1328)

Erlebach lag am Bach unterhalb von Garbenteich. Hier stand eine Mühle des Klosters Schiffenberg. Gemeinsam mit Cotthen und drei weitere Siedlungen war Erlebach 1141 durch Rodung entstanden.

Fahlheim
Fahlheim (793 - 1471)

Die Flurnamen "Pohlheimer Wiesen" und "Pohlheimer Wald" erinnern an die Wüstung Falheim

Fronbach
Fronbach (1141 - 1567)

Die genaue Lage dieser Wüstung ist nicht bekannt. Vermutet wird sie am Fronebach zwischen Garbenteich und dem Limes. Obwohl Fronebach noch 1567 in einer Urkunde erwähnt wurde, wurde die Siedlung vermutlich schon vor 1502 verlassen.

Heuchelheim
Heuchelheim (1328 - 1350)

Die Flurnamen "Heuchelheimer Boden" und "Groß- Kleinheuchelheim" südlich von Holzheim weisen auf diese Wüstung hin.

Konradsrode
Konradsrode (1129 - 1479)

Konradsrode lag am Oberlauf des Lückebachs. Als Flurnamen dort sind "Zu Konradsrod" oder "Konradsröder Feld" überliefert. Konradsrode war eng mit dem Kloster Schiffenberg verbunden .

Lesetipps
  • Pohlheim : junge Stadt am Pfahlgraben, bearbeitet von Waldemar Küther, 1982, S. 435-449
  • Georg W.J. Wagner, Die Wüstungen im Großherzogtum Hessen, Band 1, 1854